11.-18. Sept. 2009: Hangfliegen auf der Dune du Pyla

flug2Savoir vivre oder auch "Laufe lasse" auf der grössten Düne Europas.

Da ich ein bekennender Meeresmensch bin, war es schon lange mein Traum einmal auf der höchsten Düne Europas barfuss im warmen Sand zu stehen und einen Segler bei Wind und Sonnenschein am Hang entlang gleiten zu lassen. Irgendwann war es soweit und so packten wir Mitte September das nötige Material zusammen und fuhren in Richtung Atlantik...

 

 

1. Tag: Freitag - Der Atlantik ruft

Der Spätsommer ruft und so fahren wir samt Hund & Segler an die Westküste Frankreichs mit Ziel "la Dune du Pyla". Die Fahrt führt uns über Basel, Mulhouse, Baune quer durch Frankreich vorbei an Montceau, Montluçon, Clermont-Ferrand über Bordeaux in die Nähe von Arcachon. Nach ca. 14-stündiger Fahrt inklusive diverser Rast- und Pinkelpausen für Hund und Frauchen & Herrchen erreichen wir die Ortschaft Pyla sur Mer. Das kleine Örtchen liegt direkt an der Nordseite der riesigen fast 3km langen, ca. 500m breiten und über 100m hohen Sanddüne.

Südlich der Düne auf dem Campingplatz Camping Panorama du Pyla haben wir schon Anfangs Jahr einen Bungalow mit Meersicht gebucht. Da diese Plätze schnell weg sind, muss man früh buchen, ansonsten muss man mit Nicht-meersichtigen Bungalows Vorlieb nehmen. Im Vergleich zur Hauptsaison zahlt man um diese Zeit nur noch ca. 40% vom Hauptsaisonpreis und so haben wir uns diesen Luxus gegönnt. Lächeln
Da wir unser Feriendomizil aber erst ab Samstag beziehen können nutzen wir den Freitag für die Hinfahrt - schliesslich möchten wir so lange wie möglich die schöne Lage am Meer geniessen. In der Meinung, dass auch hier in der Nachsaison weniger Gäste vor Ort sind, haben wir für die erste Übernachtung kein Hotelzimmer vorreserviert - frei nach dem Motto "es wird ja in der Nachsaison sicher genügend freie Zimmer haben". Aber weit gefehlt: alle Hotels in Pyla sur Mer und auch in Arcachon sind complet! - ausgebucht. Also wieder ein paar Kilometer zurück ins Landesinnere fahren und mit viel Glück erhalten wir von einer IBIS-Angestellten (deren Hotel natürlich auch ausgebucht war...) ein Hotelzimmer bei einer ihr bekannten Kollegin (tja, so hilft man sich untereinander...). Dank Navi gings durch die mittlerweile dunkle Küstengegend zu unserer wohlverdienten Schlafstätte. Na ja, freiwillig hätte ich dieses Hotel wohl nie aufgesucht, aber Hauptsache wir haben was gefunden. Nicht zuletzt die freundliche Madame an der Rezeption konnte uns dazu bewegen das Zimmer anzunehmen. Noch kurz den Hund ausgeführt und wir können uns von der doch recht langen Fahrt erholen. In mir immer die Hoffnung, dass sich der Weg in Sachen Dünenfliegen doch gelohnt haben wird - schliesslich haben wir ja unseren "ImmerDabeiHabenMichi" eben nicht dabei.Zwinkern


<hrdata-mce-alt="Samstag - das erste Mal" class="system-pagebreak" title="Samstag - das erste Mal" />

Samstag - das erste Mal

Ein gutes Frühstück am Morgen vertreibt Kummer & Sorgen. Ok - glücklicherweise leiden wir weder an dem einen noch an dem anderen und so geniessen wir das unerwartet vielseitige Frühstück mit frischen Croissant, Apfelküchlein, Baguette, Toast & Marmelade. Natürlich hat es auch Müsli & Co., wobei ich dem Trockenfutter wenig abverlangen kann, da reizen mich die Apfelküchlein umso mehr, hehe. Danach Zimmerrechnung begleichen und hopp - Hund nicht vergessen - ins Auto und nach knapp 10km Rückfahrt ans Meer steht oder besser gesagt liegt sie vor uns: die Düne!

Wow - der grösste Sandhaufen Europas! Gewaltig, wie sich die Düne hinter dem von Napoleon III. angelegten Kiefernwald erhebt. Irgendwie erscheint sie fast etwas unwirklich, aber egal - nun ist sie hier und soll sich zum Hangfliegen prächtig nutzen lassen.

Schon beim Anblick verspüre ich so ein komisches mir ganz unbekanntes (hehehe) Kribbeln in der Knüppeldaumengegend...Lachen

duene
Den Kiefernwald liess der kleine Franzose extra gegen das unbändige Bestreben der Düne ins Landesinnere wandern zu wollen, anpflanzen. Der Wald sieht zwar toll aus, aber bringt bezüglich seinem ursprünglichen Zweck nicht viel, wenn sogar gar nix. Da es sich bei der Dune du Pyla um eine Wanderdüne handelt, bewegt sich diese langsam aber stetig landeinwärts. Da helfen auch die paar Bäume wenig. Aber egal - genug der Aufklärung - wir sind hier um uns zu erholen und wenn möglich auch ein paar Runden am Sandhügel zu fliegen. wald
Da wir den Bungalow erst ab 16Uhr beziehen können, wird das Auto innerhalb des Campingplatzes geparkt und erkunden als Erstes mal die Gegend et naturellement die Düne. Schnell wird klar: hier gibts Erholung pur für die Seele und Fitness für die Wadenmuskulatur. Die Düne selbst besteht aus sehr feinem Sand und bietet von oben einen wunderschönen gar umwerfenden Ausblick auf den Atlantik und die vorgelagerte Sandbucht mit ihren vier Austernaufzuchtfeldern. austernfeld

Apropos Austern - da wir eh noch etwas Zeit haben, fahren wir zum nächsten Markt und decken uns für das anstehende Wocheende mit Lebensmittel ein. Und da dürfen an der französischen Atlantikküste natürlich Austern nicht fehlen.

Und so ergibt sich das Menu für unser erstes Abendessen am Sandhügel mit Vue sur la mer:

markt
Vorspeise:
Douze Huîtres - frisch geertete Austern von der vorgelagerten Sandbucht garniert mit fein gehackten Schalotten, welche vorab eine halbe Stunde in mildem eichenfassgereiften Balsamico zusammen mit Kräuter und etwas Salz&Pfeffer mariniert haben. Dazu frische Artischocken mit Sauce à la Robert.
vorspeise
Hauptspeise:
Weil mich an der Fischtheke die Moules de Bouchots geradezu angelacht haben, gibts ausnahmsweise auch als Hauptgang Muscheln und zwar in Form eines Muscheltopfs mit Schalotten, süssen Paprikaschoten und frische Tomaten. Das Gemüse anbraten, mit weissem Bordeaux ablöschen, kurz aufkochen und darin die Muscheln fertig dünsten.
É voilà. Bon Appétit!
muscheltopf
Mittlerweile haben wir den Schlüssel zum Bungalow erhalten. Die Lage ist besser als ich erwartet habe: einfach der Hit und wie versprochen mit Blick aufs Meer. Vom Wohnraum, bzw. der Terrasse geniesst man eine wahrhaft tolle Aussicht. Praktisch die gleiche wie von der Düne aus, nur von der halben Höhe und ohne Sand unterm Hintern.
Der Wind bläst direkt vom Meer her auf die Küste zu, also ideale Bedingungen zu Fliegen. Aber da es eh schon Abend ist, spare ich mir den Sanddünenerstflug für den folgenden Tag auf. Uns so ist das Einzige, was uns den Blick aufs Meer etwas versperren kann die zahlreichen Gleitschirmflieger, welche uns bis nach Sonnenuntergang sprichwörtlich vor der Nase herumsegeln.
gleitschirmler
Während dem Abendessen geniessen wir unseren ersten Sonnenuntergang - einfach nur schön.Cool
Da brauchts keine Worte mehr.
sonnenuntergang

 


<hrdata-mce-alt="Sonntag - erstes Mal Sanddünenfliegen" class="system-pagebreak" title="Sonntag - erstes Mal Sanddünenfliegen" />

Sonntag - erstes Mal Sandhügelfliegen

Nach dem Frühstück gehts erstmal bei wunderprächtigem Wetter zu einer ausgiebigen Strandwanderung mit Sorro, unserem knapp 8 Monate jungen englischen Cockerspaniel. Nach 2 Stunden auf der Düne und am Strand rumtollen lässt es sich gut schlafen... sorro_strand
Danach werden meine beide Strandsegler "Halloween" und "Highlight Speed" durchgecheckt und die Akkus geladen. Da der Wind noch ablandig und somit an Fliegen noch nicht zu denken ist, kann ich mir dazu ausgiebig Zeit nehmen, obschon mir langsam aber sicher kribelig wird. I
rgendwann um die Mittagszeit dreht der Wind und kommt wie gewünscht auflandig, d.h. vom Meer her. Eigentlich muss ich nicht mal gross nach der Windrichtung schauen - sobald die Gleitschirmler vor unserer Terrasse rumkurven stimmt die Windrichtung.
gleitschirmler
Also nix wie los. Den Highlight mit McGyver-Klebeband auf den Halloween fixiert, Wasser und Fernsteuerung in den Rucksack und schon gehts zur Sanddüne. Unser Campingplatz liegt direkt am südlichen Teil der Düne und so führt der Weg zuerst durch den mit hohen Kiefern bewachsenen Platz bevor es durch den Sand geht. Kurz nach dem Wald erreicht man einen Platz, wo schon einige Gleitschirmflieger die ersten Starts wagen. strand
Vorbei an den Parachutes beginnt nun der strengere Teil der Wanderung: den Sandhügel hinauf zum Startplatz.
Zwei Tipps an Erstbesteiger, welche das Sanddünenwandern etwas leichter gestalten:

1. Mit breiten Sandalen hat man einen besseren Tritt als barfass - dafür geht das Sandfeeling zwischen den Zehen etwas flöten.
2. Man sucht sich eine Fussspur von einem Vorläufer. In dessen Fussstapfen läuft es sich viel kräftesparender, als wenn man eine eigene frische Spur im Sand hinterlassen möchte.

hinauf
Endlich nach langen 20 Minuten Sandwandern oben angekommen bläst mir eine kräftige, aber doch angenehm warme Atlantikbrise entgegen. Kurz den Highlight Speed zum Antesten geflogen und schon übergebe ich dem Halloween das Revier. Die Windstärke schätze ich mal so bei 3 Beaufort. Nach einer Weile kommt am Nachmittag etwas Thermikeinfluss dazu und so kann man locker eine Überhöhung von ca. 40-50m erreichen. Genug um dem Halloween auch auch mal die Sporen zu geben und ein paar Sinnlose von links oder rechts hinzubrettern.Lächeln flug1
Das Fliegen hier oben ist kurz gesagt einfach ein Traum. Mit den Füssen im warmen Sand stehen, die Atlantikwind um die Nase wehen lassen und dies bei wolkenfreiem Himmel und strahlender Sonne.
Sandman, was willst du mehr: Sonne, Sand und Segeln. Einfach nur Fliegen und Spass, das nenne ich Erholung und Ferien pur. Und so ist auch schnell die lange Anfahrt vergessen.
flug2
Wider Erwarten bin ich fast alleine am Hang, zumindest als Modellsegelflugpilot. Nach ungefähr einer halben Stunde in der Luft gesellt sich ein älterer Franzose zu mir. Und rechts von mir dreht ein Easyglider aus dem Taunus seinen Runden. Die doch zahlreichen Gleitschirmflieger halten sich schön links von uns. Nur ab und zu kommt einer in die Nähe von uns, dreht ein paar Runden um dann wieder südlich weiter zu fliegen.
Irgendwann nach ca. drei Stunden fliegen packe ich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht wieder alles zusammen und verlasse die Düne in Richtung Bungalow. Diesmal gehts die Düne runter und dementsprechend können meine Waden auch wieder aufatmen.Lachen
flug3
Während meiner Abwesenheit konnte Sorro meiner Frau nochmals einen ausgiebigen Gassigang erbetteln und so haben Karin und ich ein kleines Hüngerchen und vespern erstmal ne Runde. Irgendwie muss mich das Fliegen müde gemacht haben (oder hatte ich möglicherweise einen Sonnenstich, hmm...), denn nach Speis und Trank lag ich erst Mal ne Weile auf der Bank, bzw. Liegestuhl. Ich war so geschafft, dass ich nicht mal mehr Hunger auf ein Abendessen, geschweige den Lust auf Kochen hatte.
Kurzum - ich schlief bis zum nächsten Morgen durch.
ruhe

 


<hrdata-mce-alt="Montag - falsche Windrichtung" class="system-pagebreak" title="Montag - falsche Windrichtung" />

Montag - falsche Windrichtung

Uaa, bald 12Uhr - Frühstück vorbei und der Wind bläst immer noch von Norden der Düne entlang. Kein einziger Gleitschirmflieger lässt sich blicken. Unsere Bungalownachbarn aus Zürich (beide dem Gleitschirmfliegen verfallen) sitzen ungeduldig auf der Terrasse und drehen Däumchen. Hmm, links von uns befindet sich in 30m Nähe eine kleine vielleicht 10m hohe Düne, deren Hanglage fast nach Norden zeigt. Müsste da mein Highlight Speed nicht Spass haben können? Nicht lange nachdenken - ausprobieren.
Also rauf auf den Hügel und wech mit dem Leichtgewicht. Na ja, schön Fliegen ist anders. Die vorgelagerte Hangkante sorgt für zum Teil starke Turbulenzen, welche das bisschen von Nichts an GFK und CFK doch kräftig durch die Luft schaukeln lassen. Theoretisch könnte man fliegen, aber wirklich Spass machen tuts wenig. Und da ich vortags eh schon einen Senderakku leergeflogen bin, fällt es mir leicht heute aufs Fliegen zu verzichten.
hang
Etwa 10 Dünengehminuten südlich von uns liegt nochmals eine Erhöhung, welche ähnlich ausgerichtet ist. Aber irgendwie fehlt mir die Lust dahin zu wandern und so geniessen wir heute einfach nur das schöne Wetter. Und Abends gabs dann Seezunge bei Sonnenuntergang, wer will da noch Fliegen? seezunge

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<hrdata-mce-alt="Dienstag - sehr gute Bedingungen" class="system-pagebreak" title="Dienstag: sehr gute Bedingungen" />

Dienstag - sehr gute Bedingungen

Heute geht sprichwörtlich die Post ab. Bei guten 4 Beaufort fegt es mir den Sand ganz schön um die Knöchel. Nun ist der Halloween voll in seinem Element. flug1
Es geht so gut, dass ich meinen kleinen Gelben noch aufballastieren kann. Da mir aber leider das nötige Blei fehlt (ha - Zuhause liegen lassen), nehme ich kurzerhand 6 Gabeln aus der Besteckschublade mit und klebe sie zu je 3 Stück links und rechts an die Rumpfinnenwand unterhalb der Tragflächenaufnahme.
Da der Wind den Gleitschirmlern scheinbar zu stark wird, bleiben die Jungs und Mädels am Boden und so habe ich die Düne soweit ich sehen kann komplett für mich alleine. Wo die anderen nur geblieben sind? Egal - nu is der Hang mein.
Goil - so macht Fliegen noch mehr Spass. Hätte nicht erwartet, dass es sich hier auf dem Sandhügel so gut Fliegen lässt.
flug2

Schön wäre noch, wenn ich ein Video drehen könnte. Aber leider bin ich wie schon bemerkt alleine. Und da ich, bzw. mein Halloween genügend Leistung hat, wird die Videokamera flux mit dem MacGyver-Klebeband auf den Halloween fixiert.

Hmm, mit 260g mehr an Gewicht fliegt sich der Halloween deutlich ruhiger und etwas träger. Das Video kann sich sehen lassen.

video

 


<hrdata-mce-alt="der Rest der Woche" class="system-pagebreak" title="der Rest der Woche" />

Wie verlief der Rest der Woche?

Tja, was soll ich sagen: an jedem Tag konnte geflogen werden. Wobei der Dienstag sicher der Beste von allen war, aber man muss sich ja nicht jeden Tag eine Beinenthaarungsbehandlung durch vorbeifegenden Sand reinziehen.Zwinkern sand
Mein Fazit:
Wer gerne am Meer ist und einmal bis zum Sonnenuntergang fliegen möchte, der ist hier richtig. Spass- und Erholungsfaktor sind hier auf sehr hohem Level. Aber auch nur schon die gute Küche ist es wert. Wer gerne kocht wie ich, für den ist die franz. Atlantikküste eh ein Schlaraffenland. Fangfrische Meeresfrüchte und Fische, Gemüse aus der Bretagne und dazu ein feiner Bordeaux. Was willste mehr? {#emotions_dlg.cool}
Wir kommen wieder.

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Hier die Bilder:


<hrdata-mce-alt="Video vom Fliegen" class="system-pagebreak" title="Video vom Fliegen" />

Fliegen auf der Düne

fliegen

Onboardvideo

onboard














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